Industrial Intelligence:
Produktionsprozesse ganzheitlich begleiten
JUMO aus Fulda entwickelt smarte Systeme, die Sensorik, Automatisierung und Software miteinander verbinden. Die Anwendungsbeispiele reichen von ganzheitlichen Lösungen für Branchen wie Transport, Klimatechnik und Abwasser bis hin zu hochspeziellen Bedürfnissen in der Meeresbiologie.
Case Study:
KI in der Quallenzucht
Sie heißen Seestachelbeere, Meerwalnuss oder Blubber Jellyfish. Mit ihrer Farbvielfalt und den mystisch-organischen Formen sind sie ein echter Hingucker:
Tausende Quallen hält Alexander Dressel in den Aquarien seiner Jellyfish Farm im hessischen Flieden bei Fulda. Hier betreibt er die größte Quallenzucht Europas. Aktuell handelt er mit 40 verschiedenen Arten.
Ein entscheidender Faktor für das Gelingen seiner Arbeit ist die Wasserqualität. Die Tiere bestehen zu nahezu 100 Prozent aus H₂O und reagieren extrem empfindlich auf Schadstoffe. Faktoren wie Salzgehalt, Temperatur und Strömung müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit sie nicht schrumpfen oder sich gar auflösen.

Hier kommen Messtechnik und Automatisierungslösungen von JUMO ins Spiel.
Digitale Sensoren überprüfen permanent den Zustand der Aquakulturen und senden die Daten verschlüsselt an eine Cloud. Über eine Kamera und ein speziell für die Quallenzucht trainiertes KI-Tool erhält die Anlage Informationen zu nötigen Anpassungen bestimmter Parameter – und kann sich so selbständig und vollautomatisiert um die mystischen Wasserwesen kümmern.
Eine mobile App ermöglicht es dem Quallenzüchter, jederzeit und von überall den Status seiner Becken zu überprüfen und sich währenddessen auf unternehmerisch-strategische Aufgaben zu konzentrieren.
„Unser Ziel ist es, mithilfe von Künstlicher Intelligenz Probleme zu lösen, bei der wir mit reiner Sensorik bisher an Grenzen kamen“, erklärt Ralf Kappmeyer, Vertriebsingenieur bei JUMO.
Die Zusammenarbeit mit Quallenzüchter Alexander Dressel sei nur ein Beispiel für datengetriebene Prozessoptimierung, wie sie JUMO für viele verschiedene Branchen zur Verfügung stellen kann.
Fazit – Die Benefits aus dem Quallen Case:
- Kontinuierliche Überwachung der Wasserqualität durch digitale Sensoren
- Frühzeitige Erkennung von Veränderungen mithilfe eines speziell trainierten KI-Tools
- Automatische Anpassung wichtiger Parameter wie Salzgehalt, Temperatur und Strömung
- Mobiler Zugriff auf sämtliche Anlagendaten – jederzeit und von überall
- Weniger manueller Kontrollaufwand, mehr Zeit für strategische Aufgaben
- Übertragbare Lösung für datengetriebene Prozessoptimierung in unterschiedlichen Branchen
Vom Sensor in die Cloud:
Der Weg zum Systemstrategen
Von der Lebensmittel- und Getränkeindustrie über Transport, Pharma und Klimatechnik bis hin zum Energiesektor: In einem zunehmend globalisierten Wettbewerb steigen die Anforderungen an Prozessqualität, Rückverfolgbarkeit, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit in allen Branchen.
Automatisierte Abläufe sind längst Standard. Im Vergleich geht es nicht mehr nur darum, welche Partner hierfür die besten Geräte liefern. Stattdessen zählen ganzheitliche Lösungen.
JUMO aus Fulda ist groß geworden mit Sensoren wie Temperaturfühlern und Wärmemengenzählern – und ist mit einem Marktanteil von über 76 Prozent weiter Weltmarktführer in diesem Bereich.
Mithilfe neuer Technologien hat sich das Unternehmen aber auch zum Anbieter umfassender Software-Systeme und damit vom Komponentenhersteller zum strategischen Partner der Industrie 4.0 entwickelt.
„Ausgangspunkt war die wachsende Komplexität industrieller Prozesse und der steigende Bedarf unserer Kunden nach integrierten, durchgängigen Lösungen“, sagt CEO Dimitrios Charisiadis. „Viele Anwender standen vor der Herausforderung, unterschiedliche Komponenten und Systeme selbst zusammenzuführen.“ JUMO habe diesen Bedarf früh erkannt und sich zum Ziel gesetzt, Kunden durch abgestimmte Systeme, Plattformen und digitale Services zu entlasten.
Um dieses Ziel zu erreichen, waren nicht nur ein grundsätzlicher interner Kulturwandel und die Verankerung systemischen Denkens in der Organisation notwendig. Sondern auch handfeste Investitionen in den Ausbau von Software- und IT-Kompetenzen. Die Teams wurden interdisziplinärer aufgestellt: Zusätzlich zu Ingenieurinnen und Ingenieuren aus der Messtechnik kamen vermehrt Informatiker, Data Scientists und Applikationsspezialisten an Bord.

„Heute sind wir stolz auf die Durchgängigkeit entlang industrieller Prozesse“, sagt Dimitrios Charisiadis. „Wir verbinden Sensorik, Automatisierung und Software nahtlos und tragen so zu mehr Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit bei.“
Künstliche Intelligenz ist in diesem Zusammenhang für JUMO ein wichtiges Zukunfts- und Erweiterungsthema. „Wir setzen KI vor allem dort ein, wo industrielle Prozesse automatisch optimiert werden sollen“, erklärt Charisiadis. Das heißt: Intelligente Algorithmen analysieren das Verhalten einer Anlage und passen Steuerparameter eigenständig an. So lassen sich Temperatur-, Druck- oder andere Prozessgrößen präziser regeln, Energie sparen und komplexe Einstellungen automatisieren. Kurz: KI ist bei JUMO kein eigenständiges Produkt, sondern integraler Bestandteil der Automatisierungs- und Softwarelösungen des Unternehmens.
Dimitrios Charisiadis, CEO
Nachhaltigkeit als Versprechen an künftige Generationen

»Transformation funktioniert nicht von allein. Sie ist ein kontinuierlicher Prozess.«
Dimitrios Charisiadis ist seit 2020 CEO von JUMO. Seit dem Rückzug der Eigentümer Bernhard und Michael Juchheim aus dem operativen Management treibt er den Wandel des Familienunternehmens voran. Im Interview spricht er über Gestaltungsfreiräume und darüber, wie sich bestehende Strukturen aufbrechen lassen.
»Ich möchte ein agiles, modernes Familienunternehmen an die nächste Generation übergeben.«
JUMO befindet sich seit mehreren Jahren in einem umfassenden Transformationsprozess. Warum war dieser Wandel notwendig?
JUMO ist historisch als Hersteller industrieller Temperaturmesstechnik gewachsen. Heute entwickeln wir komplette Automatisierungs- und Softwarelösungen. Dafür mussten wir uns als Unternehmen verändern. Früher waren wir sehr stark in klassischen Abteilungsstrukturen organisiert. Heute arbeiten wir deutlich prozessorientierter und bereichsübergreifend zusammen. Gleichzeitig investieren wir gezielt in Zukunftsthemen wie Software, Digitalisierung und Automatisierung.
»Ein Konzern schaut auf das Quartal. Wir schauen auf die nächste Generation.«
Welche Rolle spielt es, dass JUMO ein Unternehmen in Familienbesitz ist?
Als Familienunternehmen haben wir den Gestaltungsspielraum, langfristig zu denken. Deshalb investieren wir nicht nur in neue Technologien, sondern auch in Kulturwandel, Führung und Nachhaltigkeit. Man könnte auch sagen; Ein Konzern schaut auf das Quartal. Wir schauen auf die nächste Generation.
Wie steuert man einen solchen Kulturwandel?
Transformation funktioniert nicht von allein. Deshalb haben wir vor sechs Jahren ein unternehmensweites Transformationsprogramm gestartet. Parallel dazu haben wir erstmals eine eigene Organisationsentwicklung aufgebaut. Dort begleiten Mitarbeitende Themen wie Personalentwicklung, Organisationsdesign und Change Management. Zusätzlich haben wir ein Führungskräfteprogramm aufgelegt, in das wir rund 800.000 Euro investiert haben. Führungskräfte müssen Veränderungen vorleben und Mitarbeitende auf diesem Weg mitnehmen.
Was war Ihnen dabei besonders wichtig?
Wir wollten die klassischen Silos aufbrechen. In einem Familienunternehmen entstehen über Jahrzehnte gewachsene Strukturen. Unser Ziel war es, stärker in End-to-End-Prozessen zu denken und die Zusammenarbeit über Bereichsgrenzen hinweg zu verbessern. Gleichzeitig ist uns wichtig, Erfahrung und neue Ideen miteinander zu verbinden. Bei JUMO arbeiten junge Mitarbeitende und langjährige Kolleginnen und Kollegen bewusst eng zusammen.
Wie weit sind Sie auf dem Weg der Transformation?
Veränderung ist ein kontinuierlicher Prozess. Das erste Transformationsprogramm läuft über sechs Jahre und befindet sich auf der Zielgeraden. Parallel bereiten wir bereits das nächste Entwicklungsprogramm vor. Schwerpunkte sind weiteres Wachstum, eine stärkere Internationalisierung und der Ausbau unserer globalen Entwicklungs- und Produktionsnetzwerke.
Was treibt Sie persönlich an?
Ich sehe bei JUMO enormes Potenzial. Mein Ziel ist es, ein agiles, modernes Familienunternehmen an die nächste Generation zu übergeben.
Smart Automation bei JUMO
Automatisierung und Software haben sich bei JUMO längst zu einem eigenen Wertschöpfungsbereich entwickelt. Bei Bedarf übernehmen Ingenieure auch die Programmierung und Inbetriebnahme komplexer Anlagen beim Kunden. Ziel ist es, möglichst standardisierte Softwarebausteine zu entwickeln, die sich anschließend mit geringem Aufwand an verschiedene Anforderungen anpassen lassen.
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SPS: Speicherprogrammierbare Steuerung
Eine SPS ist ein industrieller Computer, der Maschinen und Produktionsanlagen automatisiert steuert. Er verarbeitet Signale von Sensoren und löst darauf basierend bestimmte Abläufe aus. SPS-Systeme kommen etwa in Fertigungsstraßen, Verpackungsanlagen oder der Gebäudetechnik zum Einsatz.
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I/O-Module (Input/Output)
I/O steht für Input-Output. Entsprechende Module verbinden Sensoren, Maschinen und Steuerungssysteme miteinander. Sie erfassen Eingangssignale wie Temperatur, Druck oder Schalterstellungen und geben Ausgangssignale an Maschinen oder Akteure weiter. Typische Anwendungen finden sich in Produktionsanlagen, der Prozessindustrie oder in automatisierten Lagersystemen.
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Webpanels
Webpanels sind digitale Medien- und Visualisierungssysteme für industrielle Anlagen. Über Touchscreens oder browserbasierte Oberflächen können Mitarbeitende Maschinen überwachen, Einstellungen anpassen oder Prozessdaten in Echtzeit auslesen. Eingesetzt werden sie etwa in Produktionshallen, Leitständen oder der Gebäudeautomation.
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IoT-Systeme
IoT steht für Internet-of-Things und beschreibt die Vernetzung von Maschinen, Sensoren und Geräten über das Internet oder industrielle Netzwerke. Dadurch lassen sich Daten in Echtzeit erfassen, analysieren und weiterverarbeiten. In der Industrie ermöglicht IoT beispielsweise die vorausschauende Wartung von Maschinen, die Überwachung von Energieverbräuchen oder die Optimierung von Produktionsprozessen. Zu IoT-Produkten zählen Smartphone-Apps, Cloud-Lösungen oder Software zur Überwachung, Auswertung und Visualisierung industrieller Abläufe. JUMO bietet Kunden eine in Frankfurt am Main gehostete eigene Cloud, arbeitet aber auch mit externen Lösungen.
Industrial Intelligence für jede Branche:
Vom Sensor bis zur Systemlösung
Vom Komponentenhersteller zum Systemanbieter: JUMO denkt Automatisierung nicht generisch, sondern branchenspezifisch. Orientiert an globalen Megatrends wie Bevölkerungswachstum, steigendem Energiebedarf und zunehmender Wasserknappheit bündelt das Unternehmen Wissen über Normen, Zertifizierungen und Kommunikationsprotokolle der jeweiligen Industrien. So entstehen Lösungen, die Sensorik, Steuerung und Software passgenau zu einem durchgängigen System verbinden – von der Lebensmittelproduktion über die Klimatechnik bis zur Wasserstoffanwendung.
Nachhaltigkeit im Werksbau
Energie intelligent vernetzt
Mit der Neueröffnung des Sensilo-Werks in Fulda bekennt sich JUMO nicht nur zum Standort Hessen, sondern auch zum Thema Nachhaltigkeit als Unternehmensstrategie.
Rund 10 Prozent der Belegschaft arbeiten hier. Das Werk basiert auf einem Gesamtkonzept aus Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und intelligenter Gebäudeautomation. Es kommt ohne fossile Brennstoffe aus und ist nahezu energieautark. Im Nachhaltigkeitsranking EcoVadis erreicht JUMO Goldstandard – und zählt damit zu den besten 5 Prozent der im Bereich Nachhaltigkeit bewerteten Unternehmen weltweit.
Solarenergie:
Auf dem Dach des Sensilo-Werks erzeugt eine 612 kWp-starke Photovoltaikanlage pro Jahr rund 620.000 kWh Energie. Davon speist JUMO 300.000 kWh ins öffentliche Netz. Den zusätzlich benötigten Strom bezieht das Unternehmen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien
Kältemaschinen:
Die Kälteleistung zur Gebäudeklimatisierung im JUMO-Werk liegt bei 1,2 MW/h. Das entspricht dem Aufwand zum Herunterkühlen von rund 2000 Kraftfahrzeugen. Möglich ist die hohe Leistung durch einen modernen Kreislauf aus Verdampfung, Verdichtung, Verflüssigung und Entspannung.
Wärmerückgewinnung aus Produktionsprozessen:
Ein 63 Meter langer und 1 Million Liter fassender Sprinklertank dient als Energiespeicher und hilft dabei, Lastspitzen auszugleichen. Dadurch kann Abwärme aus der Produktion effizient genutzt und der Betrieb der PV-Anlage optimiert werden.
Geothermie:
20 Erdwärmesonden sind auf dem Werksgelände in 100 Metern Tiefe eingelassen. Bei einer kontinuierlichen Temperatur von 10 Grad Celsius liefern sie ganzjährig und wetterunabhängig Energie zum Heizen oder Kühlen. So ergänzt Geothermie den Energiekreislauf bei Bedarf.
Intelligente Gebäudeautomation:
Rund 800 Steuerleitungen regeln Heizung, Kühlung, Luftfeuchtigkeit und Energieflüsse. Dabei haben die Verantwortlichen hauptsächlich eigene Sensoren und Lösungen verbaut: 1.300 JUMO-Produkte steuern das gesamte Energiesystem.
Insgesamt
Insgesamt investierte JUMO 50 Millionen Euro an Baukosten für 10.000 m² Produktionsfläche auf einem Grundstück von circa 100.000 m². Weitere Bauten sollen hinzukommen, bis 2027 sind zudem 21 Millionen Euro Aufwendungen für Maschinen geplant. Das Ziel: die Kernkompetenzen in Fulda stärken und gleichzeitig die internationale Präsenz mit globalen Entwicklungs- und Produktionsnetzwerken ausbauen.
Innovation fördern
Bei der Neupositionierung als Systemanbieter setzte JUMO auf langfristige Investitionen in Forschung, Entwicklung und moderne Produktionsstandorte. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Förderung des 2025 eröffneten Werks SENSILO in Fulda: Das nachhaltige Energiekonzept mit Photovoltaik, Wärmepumpen, Kältemaschinen, Erdwärmesonden und einem Sprinklertank als Energiespeicher wurde im Rahmen des hessischen EFRE-Programms mit Mitteln der Europäischen Union kofinanziert.Suchen auch Sie nach einer finanziellen Unterstützung für Ihre Innovation?
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